Über die Innovations-Werkstatt Schweizer Pärke

Die Innovations-Werkstatt ist eine Initiative des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Schweizer Pärke. PLANVAL und seecon setzen die Initiative im Auftrag der Sektion Landschaftspolitik des BAFU um.

Die Werkstatt ist Teil eines grossen Pilotprojektes des BAFU zur Ökologischen Infrastruktur in den Schweizer Pärken. Das Teilprojekt 2 zielt ab auf die Entwicklung von neuen und marktfähigen Waren, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen, die auf einer standortgerechten Ökologischen Infrastruktur in den Schweizer Pärken basieren. Diese Innovationen sollen Schutz und nachhaltige Nutzung der Ökologischen Infrastruktur miteinander verbinden. Die Arbeiten sind in vier Module gegliedert:

  • Grundlagen und Planung
  • Recherche bestehender Waren und Dienstleistungen in Verbindung mit der Ökologischen Infrastruktur
  • Entwicklung innovativer Waren, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle in den Schweizer Pärken (Innovations-Werkstatt)
  • Synthese und Schlussbericht

Grundlagen des Pilotprojektes

Der Bundesrat verlangt in der Strategie Biodiversität Schweiz den Aufbau einer Ökologischen Infrastruktur (ÖI) aus Schutzgebieten und Vernetzungsgebieten. Damit soll der Raum für die langfristige Erhaltung der Biodiversität gesichert und der Zustand der gefährdeten Lebensräume verbessert werden. Bestehende Schutzgebiete (z.B. Biotope von nationaler Bedeutung, Nationalpark, Ramsar- und Smaragdgebiete) sollen ergänzt und aufgewertet werden, während Vernetzungsgebiete die Durchlässigkeit der Landschaft zwischen den Schutzgebieten sicherstellen. Auch eine Vernetzung mit den Nachbarländern wird angestrebt.

Weitere Informationen gibt es auf der BAFU-Website zur Ökologischen Infrastruktur. Haben Sie spezifische Fragen zur Ökologischen Infrastruktur? Dann steht Ihnen Simone Remund vom BAFU gerne zur Verfügung.

Das BAFU unterstützt die Erhaltung, Aufwertung und Erweiterung der ÖI in den Schweizer Pärken mit Pilotprojekten. In Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Pärken werden geeignete Herangehensweisen entwickelt. Im ersten Pilotprojekt (2016 bis 2017) hat das BAFU vor allem methodische Aspekte untersucht. Das zweite Pilotprojekt (2020 bis 2024) besteht aus drei Teilprojekten: 1. Nutzen und Mehrwert der Ökologischen Infrastruktur analysieren, 2. Waren und Dienstleistungen aus der Ökologischen Infrastruktur entwickeln, 3. Einbezug und Wertschätzung der lokalen Akteure stärken.

Die Schweizer Pärke

Was ist ein Park? Ganz einfach: Eine einzigartige Region. Die 19 Schweizer Pärke sind aussergewöhnliche Regionen mit wunderschönen Landschaften und lebendigen Traditionen. Es gibt die Kategorien Nationalpark, regionaler Naturpark und Naturerlebnispark. Alle Pärke zeichnen sich durch verschiedenste Lebensräume mit einer reichen Flora und Fauna sowie vielfältigen Kulturgütern aus. Ohne das Engagement der Bevölkerung gibt es keinen Park. Sie gibt die ersten Impulse zur Errichtung. Die Gemeinden bilden das zentrale Element der Parkträgerschaft. Die Pärke bewahren ihre kostbaren Natur- und Kulturgüter und werten sie auf. Sie geben wertvolle Impulse für die Stärkung der regionalen Wirtschaft. Den Besuchern bieten sie echte Naturerlebnisse, faszinierende Geschichten, Kontakte zur lokalen Bevölkerung und den Genuss regionaler Spezialitäten.

Sie wollen mehr über die 19 Pärke erfahren? Besuchen Sie die Website des Netzwerks Schweizer Pärke oder den YouTube-Kanal.

Innovationen aus der Ökologischen Infrastruktur

Als Grundlage für die Innovations-Werkstatt haben wir Beispiele in der Schweiz recherchiert, bei denen die Ökologische Infrastruktur möglichst nachhaltig genutzt wird. Sechs davon haben wir in Fallbeispielen näher untersucht. Sie stammen überwiegend aus regionalen Naturpärken. Die Videos veranschaulichen die Waren und Dienstleistungen.

Waldbaden

Stress senken, Energie tanken, weiter kommen: die gesunde Umgebung des Waldes heilt und inspiriert im Val Calanca.


Choba Choba – Gaggo Leche

Die erste Milchschokolade, die zwei UNESCO Biosphären vereint: Bergheumilch aus dem Entlebuch + fair und biologisch produzierter Kakao aus Peru.


La Route Verte

Nachhaltig entschleunigen und geniessen: mit dem E-Bike von Schaffhausen bis Genf die Landschaft auskosten und Schätze der Pärke entdecken.

Klangholz

Nur ein Baum unter 10’000 hat das Zeug zum Musikinstrument. La forêt du Risoud im Vallée de Joux ist ökologisch sehr wertvoll und liefert den nachhaltigen Rohstoff für harmonische Klänge.


Soglio

Pflanzen aus biologischem Anbau und aus dem Wildwuchs sind die Grundstoffe für hochwertige naturkosmetische Produkte.


Natur Konkret

Eine naturnahe Produktionsform, die versucht Tier- und Landschaftsschutz mit dem Genuss von hochwertigen und schmackhaften Lebensmitteln in Einklang zu bringen.

Welche Elemente der Ökologischen Infrastruktur lassen sich nachhaltig nutzen?

Die Fallbeispiele zeigen: Geschäftsmodelle, die die Ökologische Infrastruktur aufwerten oder erweitern, sind möglich. Die Beispiele nutzen Wald, Trockenwiesen und -weiden, Moore oder Biodiversitätsförderflächen erfolgreich für die Herstellung von Waren oder für das Angebot von Dienstleistungen. Die Ergebnisse deuten aber auch auf weitere Potenziale und Marktlücken hin:

  • Auch Hecken und Strukturelemente lassen sich in Wert setzen. Die traditionelle Nutzung von Pflanzenteilen wie Beeren und Blüten erlebt derzeit einen Aufschwung. Auch die Pflanzung und Pflege von neuen Hecken oder Strukturelementen kann nützlich sein.
  • Der Konsum von Beeren, insbesondere von Heidelbeeren, wächst rasant. In vielen Wäldern mit feuchten und sauren Böden gibt es grossflächige natürliche Vorkommen von Heidelbeeren. Dieses Potenzial liesse sich nutzen, anstatt mit ökologisch fragwürdiger Torferde künst-lich Heidelbeeren an ungeeigneten Standorten anzubauen.
  • Bei pflanzlichen Fetten und Ölen ist der Selbstversorgungsgrad am geringsten. Deren Bedeutung steigt wegen des abnehmenden Fleischkonsums. Eine Chance bietet daher die Gewinnung von Haselnussöl aus Vorkommen in Hecken oder an Waldrändern.
  • Im Bereich der Pilze werden Kurse und Exkursionen angeboten. Es mangelt jedoch an An-geboten, die Pilze besser ökonomisch in Wert setzen, z.B. in der Gastronomie.
  • Auch für Totholzinseln im Wald könnte es kreative Zugänge geben, beispielsweise im künstlerischen Kontext. Kunstausstellungen im Freien oder auch in geschützten Gebieten gibt es bereits.
  • Naturteiche stellen wertvolle ökologische Nischen dar. Sie werden bisher nur selten genutzt, um Fische oder Edelkrebse zu züchten.
  • Selbst der Siedlungsraum bietet Potenziale. Stadtpärke, Grünflächen oder Schrebergärten lassen sich aufwerten und bieten der Bevölkerung neue Nutzungsmöglichkeiten.